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Zirkus vor der Vorstellung
Marianne von Werefkin, Zirkus vor der Vorstellung, um 1910, Foto: Peter Hinschläger
abstraktes Bild
Ernst Wilhelm Nay, Aronstab, 1953, © VG Bild-Kunst, Bonn 2021, Foto: Peter Hinschläger
Maler an der Staffelei
Otto Dix, Selbstbildnis mit Staffelei, 1926, © VG Bild-Kunst, Bonn 2021, Foto: Peter Hinschläger
Oskar Kokoschka, Bruder und Schwester, 1914, © VG Bild-Kunst, Bonn 2021, Foto: Peter Hinschläger Bruder und Schwester sitzend
Berglandschaft
Adolf Erbslöh, Desenberg V, 1920, Foto: Peter Hinschläger
Ruine und Kirche in Landschaft
Karl Eduard Biermann, Bingen am Rhein, 1828, Foto: Peter Hinschläger
Landschaftsgemälde
Johann Wilhelm Schirmer, Römische Landschaft, nach 1839, Foto: Peter Hinschläger
4 nackte Menschen in Landschaft
Max Pechstein, Akte im Freien, 1911, © VG Bild-Kunst, Bonn 2021, Foto: Peter Hinschläger
schwarzer Kreis mit bunten Elementen
Willi Baumeister, Montaru-Kreis II, 1953, © VG Bild-Kunst, Bonn 2021, Foto: Peter Hinschläger
Kreisstrukturen auf Weiß
Otto Piene, Kreisweiss, 1957, © VG Bild-Kunst, Bonn 2021, Foto: Peter Hinschläger
Gesicht einer Frau
Alex Müller, Martha, 2008, Foto: Peter Hinschläger
Straße im Museum mit Laterne
Gregor Schneider, Marienstraße, 2010, © VG Bild-Kunst, Bonn 2021, Foto: Peter Hinschläger

Der Kernbestand der Kunstsammlungen des LHM besteht im Wesentlichen aus Malerei des Spätimpressionismus, des Expressionismus' mit wichtigen Vertreter*innen der Brücke, des Blauen Reiters und des Rheinischen Expressionismus' sowie der Neuen Sachlichkeit, aus Kunst der Nachkriegsmoderne, einigen Werken alter Kunst und aus einem umfangreichen Bestand an Arbeiten auf Papier und Grafiken vor allem des 19. und 20. Jahrhunderts. Aufgrund seiner Ausstellungen zeitgenössischer Kunst wird die Sammlung kontinuierlich ergänzt um Werke der Gegenwartskunst und Positionen eines erweiterten Malereibegriffs, der installative und raumbezogene Ansätze miteinbezieht. Die Günther-Peill-Stiftung trägt maßgeblich zum Ausbau der Sammlung bei, indem sie seit 1986 Arbeitsstipendien an junge Künstler*innen vergibt und darüber hinaus seit 1996 einen Preis für bereits etablierte Positionen, von denen Werke in den Sammlungsbestand eingehen. Wichtige Werke der Konkreten Kunst aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts und der ZERO-Bewegung kamen durch die Gründung der Hubertus Schoeller Stiftung im Jahr 2004 ans LHM.

Während große Teile der Sammlung Klassischer Moderne aus Ankäufen Anfang der 1950er Jahre stammen, hat ein erstes Provenienzforschungsprojekt am LHM gezeigt, dass es neben alter Kunst Bestände an Malerei des 19. und frühen 20. Jahrhunderts, seinerzeit also Gegenwartskunst, und bedeutende historische wie moderne Grafikbestände bereits vor dem Zweiten Weltkrieg am LHM gegeben hat. Dies ist bemerkenswert, weil das aus Mitteln der Dürener Industriellenfamilie Leopold Hoesch errichtete Museum bei seiner Eröffnung 1905 zunächst über keine eigene Sammlung verfügte, sondern als Ausstellungshaus für archäologische, regional- und kulturgeschichtliche Themen fungierte. Erst in den 1930er Jahren begann man eine eigene Sammlung aufzubauen und anlässlich der Eröffnung einer neuen Gemäldegalerie mit Dauerleihgaben aus dem Wallraf-Richartz-Museum Köln wurde das LHM 1939 als „reines Kunstmuseum“ bezeichnet.

Die Entwicklung der Sammlung unterstützen seit seiner Gründung 1905 der am LHM ansässige, mitgliederbasierte Museumsverein Düren e.V. und die ihm 1990 angegliederte Josef Zilcken Kunst- und Kulturförderungs gGmbH. Ebenso werden die Sammlungen ergänzt durch private Schenkungen wie der Sammlung Frerich, der Madame Thelen-Stiftung oder dem Dahlmann-Preis.
Schließlich besteht aufgrund des assoziierten Papiermuseums Düren und der zwischen 1986 und 2005 veranstalteten Papierbiennalen Paper Art ein spezieller Bereich der Sammlung aus zeitgenössischer Papierkunst. Neben den Kunstsammlungen umfasst der Bestand des LHM archäologische Funde aus der Region und kulturhistorische Objekte.

Pappmachée-Skulptur in Form eines Eisbären
Andreas von Weizsäcker, Berliner Bär, 1996, Foto: Peter Hinschläger
Pappmachée-Skulptur in Form eines Eisbären, vor der Restaurierung, deutlich deformiert
Zustand vor der Restaurierung
Pappmachée-Skulptur in Form eines Eisbären, Hinterteil
Zustand vor der Restaurierung
Pappmachée-Skulptur in Form eines Eisbären, seitlich, vor der Restaurierung
Zustand vor der Restaurierung
Pappmachée-Skulptur in Form eines Eisbären
Zustand vor der Restaurierung
Füße der Pappmachée-Skulptur in Form eines Eisbären
Öffnung der Hohlskulptur an den Füßen des Bären
Eisbär im Klimazelt während der Restaurierung
Eisbär im Klimazelt während der Restaurierung
Blick in eine der Fußöffnungen mit Luftballon im Inneren
Blick in eine der Fußöffnungen mit Luftballon im Inneren
Eisbär-Skulptur mit Bauchbinde
Eisbär-Skulptur mit Bauchbinde
Skulpur zur Stabilisierung befestigt
Skulpur zur Stabilisierung befestigt
2 Bilder nebeneinander, links mit Riss, rechts ohne Riss
Vorher - Nachher: Hier wurde ein kleiner Riss verschlossen.
Eisbär-Skulptur liegend während der Restaurierungsarbeiten
Eisbär-Skulptur liegend während der Restaurierungsarbeiten
abgetrennte Fußsohle des Bären während der Restaurierung
abgetrennte Fußsohle des Bären während der Restaurierung
Fußsohle des Bären nach der Restaurierung, wieder angeklebt
Fußsohle des Bären nach der Restaurierung
Eisbär nach der Restaurierung im Restaurierungsatelier stehend
Eisbär nach der Restaurierung im Restaurierungsatelier

Eine Kunstsammlung ist ständig in Bewegung: Ein kleiner Teil der Werke ist ausgestellt, während sich ein Großteil der Sammlung im Depot befindet. Doch auch dort herrscht kein Stillstand. Neue Werke kommen durch Schenkungen, Ankäufe, Dauerleihgaben oder Stiftungen hinzu. Eine Sammlung im Museum wächst also ständig an.

Ältere Sammlungsobjekte werden regelmäßig begutachtet und bei Bedarf zu ihrem Erhalt restauriert. Im LHM werden sie zu diesem Zweck in eine externe Restaurierungswerkstatt gegeben.

„Neues aus der Sammlung“ berichtet über die aktuellen Bewegungen in den Sammlungen des LHM und blickt dabei besonders auf Neuzugänge und aktuelle Restaurierungsprojekte.

Jüngstes Restaurierungsprojekt: Andreas von Weizsäcker, Berliner Bär, 1996
Restaurierung der Pappmachée-Skulptur „Eisbär“ (im Werkverzeichnis auch „Berliner Bär“ genannt) von Andreas von Weizsäcker durch Dipl.-Rest. Philipp Kochendörfer und Franziska Elbers (Rest. M.A.) im Atelier für Papierrestaurierung Ferlmann, Köln.

Die Skulptur wies starke Deformationen sowie leichte Verschmutzungen, kleine Risse und Knicke auf. In der Restaurierungswerkstatt wurde sie zunächst trockengereinigt. Um an die Innenseite zu gelangen, war es notwendig, den Korpus an den bereits existierenden "Nähten" an den Unterseiten der Pfoten mit einem Skalpell aufzutrennen. Knicke wurden geglättet, Hohlstellen und Spaltungen mit Weizenstärkekleister verklebt und Deformationen rückgeformt. Zur Stabilisierung wurden Bereiche des Körpers mit Japanpapier hinterlegt oder überklebt. Für die Rückformung wurde die Eisbär-Plastik für insgesamt sieben Stunden zur Befeuchtung in ein Klimazelt gestellt. Hierbei konnte schließlich auch die stärkste Deformation gelöst werden. Nach dem dritten Befeuchtungszyklus wurde der hohle Innenraum durch insgesamt fünf aufgeblasene Luftballons stabilisiert, um das zurückgeformte Material während des Trocknens in Position zu halten. Das erste Foto zeigt den Eisbären nach der Restaurierung im LHM. Die weiteren Fotos dokumentieren verschiedene Abschnitte der Restaurierung.

farbenfrohes Gemälde in warmen Tönen
Adolf Hoelzel, o.T., um 1930, Foto: Peter Hinschläger
Zeichnung eines Mädchens
Erich Heckel, Mädchen am Tisch, 1913, Foto: Peter Hinschläger
konstruktivistische Komposition mit rosa und rot
Heijo Hangen, kleine collage, 1964, © VG Bild-Kunst, Bonn 2021, Foto: Peter Hinschläger
Selbstbildnis mit Pfeife
Max Pechstein, Selbstbildnis mit Pfeife, 1921, © VG Bild-Kunst, Bonn 2021, Foto: Peter Hinschläger
hellblau-schwarzer Druck
Sigmar Polke, Ich brauche eben für alles etwas länger, 1999, © VG Bild-Kunst, Bonn 2021, Foto: Peter Hinschläger
vertikale Streifen in schwarz-weiß
Heinz Mack, Lumière-Espace, 1959, © VG Bild-Kunst, Bonn 2021, Foto: Peter Hinschläger
Frauen auf der Straße mit Hüten
Frauen auf der Straße, 1919, Pastell und Temperakreide auf Velinpapier, 40,7 x 30 cm, Foto: Peter Hinschläger
Bild mit lila Oval und Schlitz
Lucio Fontana, ohne Titel, um 1967, Foto: Peter Hinschläger
Guckkastenbild
Georg Balthasar Probst (Vlg.), Petersburg, Entwurf eines Platzes, 1750, Foto: Peter Hinschläger
Schuhspanner (der Harem), 1968
Konrad Klapheck, Schuhspanner (Der Harem), 1968, © VG Bild-Kunst, Bonn 2021, Foto: Peter Hinschläger
bunte Bilder in weißem Raum
Installationsansicht Ulrich Rückriem, Passepartout, 1995, Foto: Peter Hinschläger
Mann und Frau sitzend am Tisch
Hermann Rembrandt van Rijn, Selbstbildnis mit Saskia, 1636, Foto: Peter Hinschläger
schwarz-weiße Landschaft mit wolkigem Himmel
Johann Wilhelm Schirmer, Landschaft, 1848, Foto: Peter Hinschläger
Wilde Möhre
aus: Pechblende (Zyklus 2), 2017
Susanne Kriemann, Wilde Möhreaus: Pechblende (Zyklus 2), 2017, Foto: Peter Hinschläger
Portrait mit Hut und Zigarette
Max Beckmann, Selbstbildnis mit steifem Hut, 1921, Foto: Peter Hinschläger
abstraktes Bild mit Schwarz, Rot und Grün
Franz Marc, Geburt der Pferde, 1913, Foto: Peter Hinschläger

Der grafische Bestand des LHM umfasst annähernd 10.000 Blätter. Mit der Gründung des Museums 1905 wurde schrittweise damit begonnen, Aquarelle, Zeichnungen und Druckgrafiken zu sammeln. Bis in die 1940er Jahre umfasste die grafische Sammlung hauptsächlich Kupferstiche bekannter Illustratoren und Karikaturisten des 18. und 19. Jahrhunderts. Sie veranschaulichen die illustrativen, künstlerischen, gestalterischen und drucktechnischen Aspekte des Buch- und Schriftwesens und die beim Bürgertum populäre Reproduktionsgrafik mit Wiedergaben berühmter Kunstwerke. Einen besonderen Stellenwert nimmt dabei der Bestand an Guckkastenbildern ein. Perspektivisch angelegte Ansichten von europäischen Städten und deren Sehenswürdigkeiten, idealisierte Ansichten und Fantasiemotive, gestochen und auch verlegt z.B. von Georg Balthasar Probst (1732-1801) wurden als Jahrmarktsattraktionen in einem hinterleuchteten Guckkasten dem Publikum vorgeführt. Solchen Guckkastenbildern kamen gleichermaßen eine unterhaltende wie auch eine bildende Funktion zu und ihre Betrachtung in entsprechenden Schaugeräten kann als ein frühes Massenmedium bezeichnet werden.

Bei der Zerstörung Dürens 1944 ging ein Teil der Kunstwerke des LHM verloren und mit der Weiterentwicklung der Kunstsammlungen nach dem Zweiten Weltkrieg gleicht sich der grafische Teil der Bestände zunehmend der Ausrichtung der Gemäldesammlung an. Ein wichtiger früher Sammlungsschwerpunkt lag dabei neben grafischen Landschaftsdarstellungen des 19. Jahrhunderts auf Druckgrafik der Klassischen Moderne, insbesondere des Expressionismus'. Einen Kernbestand an Arbeiten auf Papier bildete dabei der Ankauf einer grafischen Sammlung aus dem Nachlass des Dürener Künstlers und Sammlers Hans Beckers (1898-1951). Sie legten mit fast 500 Werken den Grundstock der grafischen Sammlung nach dem Zweiten Weltkrieg. Ergänzt durch einzelne, qualitativ wertvolle Grafiken des 17. und 18. Jahrhunderts lag das Augenmerk seiner Sammlertätigkeit auf Zeichnungen und Drucken des 19. und 20. Jahrhunderts und schon frühzeitig erkannte Hans Beckers den beeindruckenden Beitrag zur Moderne, den die Expressionisten mit ihren druckgrafischen Blättern geleistet hatten. Hierauf aufbauend bereicherten in den Folgejahren Ankäufe von Lithografien, Holzschnitten und Zeichnungen von Künstler*innen der Brücke und des Blauen Reiters, aber auch von Einzelgängern wie Max Beckmann, Otto Dix oder Lyonel Feininger den grafischen Sammlungsbestand des LHM.

Ab 2015 wurde in einem dreijährigen Forschungsprojekt auch die Provenienz von Aquarellen, Handzeichnungen, Druckgrafiken und Fotografien untersucht, soweit sie ab 1933 in die Sammlung des LHM gekommen waren. Durch die Auswertung von Sammlermarken, die sich teilweise auf den Grafiken befinden, konnte festgestellt werden, dass einige Werke, die in den 1930er Jahren gekauft worden waren, aus NS-verfolgungsbedingt veräußertem Besitz stammen. Hiervon wurde ein Großteil bereits restituiert, soweit Erbberechtigte ausfindig gemacht werden konnten.

Der Ausbau des grafischen Sammlungsbestands wurde in den 1960er Jahren mit Werken moderner und zeitgenössischer Kunst konsequent fortgesetzt. Zu dieser Zeit konzentrierten sich die Ausstellungen des LHM und die daraus resultierenden Erwerbungen auf abstrakte, informelle und konkrete Kunst, etwa von Pierre Soulages, Almir Mavignier, Karl Gerstner, Karl Fred Dahmen oder Hans Hartung. Auch die seit 2004 am LHM bestehende Hubertus Schoeller Stiftung sowie die 1986 gegründete Günther-Peill-Stiftung erweitern mit Werken die grafische Sammlung des Museums. Eine Schenkung des Kölner Sammlers Dr. Günter Frerich bildet seit 2012 mit rund 400 Zeichnungen und Druckgrafiken zum Thema Selbstporträt einen neuen Schwerpunkt im Grafikbestand des LHM, der die Selbstbildnisse von Künstler*innen der Klassischen Moderne sowohl in der Gemälde- als auch in der Grafiksammlung substanziell ergänzt.

Foto eines schwarzen Papieranzugs
James Rosenquist, Paper Suit, 1998, © VG Bild-Kunst, Bonn 2021, Foto: Peter Hinschläger
Bärenskulptur aus Pappmachée
Andreas von Weizsäcker, Berliner Bär, 1996, © VG Bild-Kunst 2021, Foto: Peter Hinschläger
Grüner Bogen aus Pappmaschée, der wie Metall aussieht
Svava Björnsdottir, Grüner Bogen, 1987, Foto: Peter Hinschläger
Künstlerbuch aus Büttenpapier mit farbigen Seiten
Warja Lavater, Jeu, 1980, © VG Bild-Kunst 2021, Foto: Peter Hinschläger
Platte mit Waldlandschaft in okkafarbenem Papier
Wolfgang Binding, Bäume I, 1980, Foto: Peter Hinschläger
Gerahmtes Selbstbildnis in Collagetechnik
Jiří Kolář, o.T. Selbstbildnis, 1979, Foto: Peter Hinschläger
zartes Papierkunstwerk gerahmt
Oskar Holweck, ohne Titel, 1976, Foto: Peter Hinschläger
Schuhkartongroße Skulptur wie ein Haus mit Felsdach
Steve Johnson, Kino, o.J., Foto: Peter Hinschläger
Papierskulptur in Form eines Torsos
Josephine Tabbert, Body, 1990, Foto: Peter Hinschläger
Zarte Papierskulptur gerahmt
Anne Behrens, ohne Titel, 2004, Foto: Peter Hinschläger
rotes, angebranntes Künstlerbuch
Bernard Aubertin, ohne Titel, 1971, © VG Bild-Kunst, Bonn 2021, Foto: P. Hinschläger

Papier ist ein historischer Werkstoff, seine Nutzung als autonomes künstlerisches Medium ist jedoch relativ jung. Einhergehend mit der Renaissance der handwerklichen Papierherstellung und dem künstlerischen Arbeiten mit dem Rohstoff Pulp etablierte sich in 1970er Jahren in den USA der Begriff Paper Art. Als neuartige Bewegung in der Kunst erreichte die Papierkunst Anfang der 1980er Jahre Europa.
Ausstellungen mit Kunst aus Papier wurden damals ein Schwerpunkt im Ausstellungsprogramm des LHM. Sie starteten 1986 mit der ersten Internationalen Biennale der Papierkunst „Paper Art - Handgeschöpftes“, gewannen mit der Gründung des Papiermuseums Düren 1990 an Bedeutung und fanden bis 2005 zu wechselnden Themen statt.
Mit Beginn der 1980er Jahre setzen Ankäufe und Schenkungen im Bereich Papierkunst ein und etablieren einen neuen Sammlungsbereich im LHM. Seither hat sich die Kunst aus Papier in unterschiedlichen Erscheinungsformen manifestiert. Der Werkstoff Papier transportiert die Aussage eines Kunstwerks speziell über seine spezifischen materiellen Eigenschaften. Zu den Klassikern der Papierkunst gehört Jiří Kolář, der mit Schichtung und Stauchung von fotografischen Bildern und gedruckten Texteinheiten optisch verfremdete Collage-Objekte schuf. Der Künstler Oskar Holweck arbeitete mit charakteristischen Schnitt- und Reißtechniken, Günther Ueckers Umgang mit der seriell angelegte Prägung. Andreas von Weizsäcker richtete als Professor an der Akademie der bildenden Künste in München erstmals eine Papierwerkstatt für Kunststudent*innen an einer deutschen Kunsthochschule ein. Seine Papierarbeiten bestehen vor allem aus großformatigen Abformungen figurativer Skulpturen unter Verwendung handgeschöpfter Papiere und Umnutzung von Massendruckerzeugnissen wie beispielsweise Stadtplänen. Wolfgang Binding schuf räumliche Papierreliefs aus Pappmaché, während Bertram Jesdinsky als ehemaliger Stipendiat der Günther-Peill-Stiftung Wellpappe und Epoxidharz, aber auch gefundene Objekte nutzt für seine Giraffe, die insofern eine Grenzgängerin der Papierkunst ist. Die Feuergouachen von Bernard Aubertin hingegen öffnen den Raum über die Fläche des Papierbogens und stellen so Verbindungen her zu Konzepten moderner Malerei. Künstler*innenbücher aus Papier und Karton von beispielsweise Herbert Zangs, Barbara Fahrner, A.R. Penck, Warja Lavater oder Jirí Hynek Kocman hinterfragen als autonome Kunstwerke das herkömmliche Buchformat und die konventionelle Buchnutzung. Gleichzeitig wenden sie formale Eigenschaften des Buches an, erweitern so die Vorstellung dessen, was ein Buch sein kann und integrieren Kriterien der Malerei, der Plastik und des Performativen. Der Bestand an Künstler*innenbücher bildet inzwischen einen wichtigen Teil der Sammlung Papierkunst am LHM.

Stillleben in dunklen Farben
Heinrich Campendonk, Stillleben mit Krug und Schale, 1921, Foto: Peter Hinschläger, © VG Bild-Kunst, Bonn 2021
Triptychon aus einem Foto und zwei Gemälden
Douglas Swan, Air Variations on the Baptist of Christ by Piero della Francesca, 1979, Foto: Peter Hinschläger, © VG Bild-Kunst, Bonn 2021

Um Kunst möglichst vielen Menschen zugänglich zu machen und ganze Geschichten mit Ausstellungen erzählen zu können, gibt es unter Ausstellungshäusern einen regen Leihverkehr. Einzelne Werke oder ganze Konvolute werden für Wechselausstellungen an andere Museen oder Institutionen verliehen oder von diesen geliehen. Manchmal werden Werke auch als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt, beispielsweise, wenn Kunstsammler Werke aus ihrem Privatbesitz für mehrere Jahre in ein Museum geben, damit sich auch die Öffentlichkeit ihrer erfreuen kann.
Auch das LHM leiht Arbeiten für Wechselausstellungen aus und verleiht Werke aus seinen Sammlungen an andere Museen und Ausstellungshäuser, damit diese international in Ausstellungen gezeigt werden können.

Hier erfahrt ihr, welche Werke aus dem LHM aktuell "auf Reisen" sind und in welchen Ausstellungen sie gerade zu sehen sind.

18.6.21 - 3.10.21 Lovis Corinth, Totenkopf mit Eichenlaub, 1921
Oberes Belvedere, Wien: „Lovis Corinth. Das Leben ein Fest!”
7.8.21 - 1.11.21 Heinrich Campendonk, Stillleben mit Krug und Schale, 1921
Museum Penzberg (Bayern): „Ringsum Schönheit – Heinrich Campendonk, die Expressionisten und das Kunsthandwerk“
3.10.21 - 16.1.22 Douglas Swan, Air Variations on the Baptist of Christ by Piero della Francesca, 1979
August Macke Haus, Bonn: „Douglas Swan – ein moderner Klassiker"
5.11.21 - 20.2.22 Lovis Corinth, Totenkopf mit Eichenlaub, 1921
Saarlandmuseum – Moderne Galerie, Saarbrücken: „Lovis Corinth. Das Leben ein Fest!”
8.10.21 - 8.1.22 Max Liebermann, Sommerabend an der Alster, 1909
Hessisches Landesmuseum Darmstadt: „Ich. Max Liebermann – Ein europäischer Künstler“
2.2.22 - 8.5.22 Max Liebermann, Sommerabend an der Alster, 1909
Kunstpalast Düsseldorf: „Ich. Max Liebermann – Ein europäischer Künstler“
2022 Ernst Wilhelm Nay, Schlafende Soldaten, 1943, und Frauenkopf in die Hand gestützt, 1944
Schirn, Kunsthalle Frankfurt: „Vor der Stunde Null (Arbeitstitel), Deutsche Kunst, 1933-1945“

Die Entwicklung der Sammlung unterstützen seit seiner Gründung 1905 der am LHM ansässige, mitgliederbasierte Museumsverein Düren e.V. und die ihm 1990 angegliederte Josef Zilcken Kunst- und Kulturförderungs gGmbH. Ebenso werden die Sammlungen ergänzt durch private Schenkungen wie der Sammlung Frerich, der Madame Thelen-Stiftung oder dem Dahlmann-Preis.

Nana im Ausstellunsgraum
Sammlungspräsentation 2021, Leopold-Hoesch-Museum, © VG Bild-Kunst, Foto: Peter Hinschläger

Schließlich besteht aufgrund des assoziierten Papiermuseums Düren und der zwischen 1986 und 2005 veranstalteten Papierbiennalen Paper Art ein spezieller Bereich der Sammlung aus zeitgenössischer Papierkunst. Neben den Kunstsammlungen umfasst der Bestand des LHM archäologische Funde aus der Region und kulturhistorische Objekte.

schwarze Skulpturen im Raum
Ausstellungsansicht, Imre Kocsis, 2011, © VG Bild-Kunst, Bonn 2021, Foto: Peter Hinschläger